
Wie sich der Gartenfachhandel 2026 neu aufstellt
„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ Selten war dieses Zitat von Heraklit so treffend wie heute. 2026 verspricht ein Jahr voller Herausforderungen, aber auch voller Chancen für den Gartenfachhandel zu werden. Deshalb haben wir Unternehmerinnen und Unternehmer gefragt: Welche Veränderungen stehen in diesem Jahr an? Was haben Sie sich vorgenommen? Wo sehen Sie die größten Chancen im Wandel?
von Petra Reidel und Grit Landwehr erschienen am 17.02.2026
© Grit LandwehrKI ist eine große Chance. Alexander Häussermann, Campo Verde Möglingen
Wir haben uns im Winter intensiv mit der Visualisierung unserer Pflanzen in den Kundengärten beschäftigt. Das bedeutet: Wenn Kundinnen und Kunden Bilder ihres Gartens auf dem Handy dabeihaben, visualisieren wir direkt vor Ort die Pflanzen, die es bei uns zu sehen gibt, in ihren Garten hinein. Das hilft vielen, eine konkrete Vorstellung zu entwickeln und Entscheidungen schneller zu treffen. Darüber hinaus möchten wir künftig auch kostenpflichtige Visualisierungen für komplette Gärten anbieten. Ich denke, KI ist dabei eine große Chance.
Gleichzeitig sollte man jedoch die eigene Fläche nicht vernachlässigen, sondern weiterhin attraktiv gestalten und auf kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen. Mit dem „Staudenprofi“ haben wir deshalb begonnen, unser Team intensiv zu schulen. Parallel dazu planen wir eine Umgestaltung unserer Fläche und die Schaffung eines neuen Garrigue-Bereichs. Als Jahresthema haben wir den „Orient“ gewählt – ein mystisches, zugleich exotisches und spannendes Thema. Es bietet enormes Potenzial, um auf der Fläche inspirierende Geschichten rund um moderne Klimapflanzen zu erzählen.
© tde mediaWir wollen die Kostenstruktur straffen, sowohl beim Einkauf als auch beim Warenbestand. Christian Schopf, Grünes Zentrum Schopf in Nürnberg
Unsere Ausrichtung für 2026 ist klar definiert: Mit gestrafften Kostenstrukturen weiterhin auf höchstem Niveau unsere Kunden zufriedenstellen! Dafür bedienen wir uns unterschiedlichster Instrumente: Auf der einen Seite steht das Straffen der Kostenstruktur, sowohl beim Einkauf als auch beim Warenbestand. So dient beispielsweise die Orientierung hin zu robusten und trockenheitsverträglichen Pflanzen in Verbindung mit einer automatisierten Bewässerung dazu, einen möglichst verlustfreien Warenbestand auf der Fläche präsentieren zu können. In Verbindung mit neuen Software-Lösungen werden in der Organisation Arbeitsabläufe vereinfacht und klar strukturiert.
Durch verstärkte Recruiting-Aktionen über Social-Media-Kanäle sprechen wir bei der Mitarbeitersuche gezielt die jüngere Generation an, um in unserer Belegschaft eine gut durchmischte Altersstruktur zu erreichen.
Letztlich dient alles dem obersten Ziel, unsere Kunden durch erstklassigen Service an uns zu binden und durch zufriedene Kunden unser Geschäft auszubauen. Eine nicht unerhebliche Menge an Aufträgen entsteht dadurch, dass man „den Schopf“ weiterempfiehlt. Mit Marketingaktionen wie Events und Workshops machen wir „Pflanze“ erlebbar. Diese Aktionen dienen sowohl der Pflege von Bestandskunden als auch der Gewinnung von Neukunden.
Christian Schopf führt zusammen mit seiner Frau Carola die Baumschule Grünes Zentrum Schopf im ländlichen Nürnberger Stadtteil Krottenbach. www.gruenes-zentrum-schopf.de
© Christian CharlierWir haben die Erfahrung gemacht, dass der Kunde größtenteils auf Sicht kauft. Jonas Hellerberg, Geschäftsführer FloraWelt Dorsten GmbH
Unsere Veränderungen und Ziele für 2026 bestehen unter anderem aus weiterer Digitalisierung. Wir werden eine Kunden-App etablieren und zukünftig auch freies WLAN in unserer FloraWelt anbieten. Das Recruiting von Fachpersonal soll bevorzugt über unsere Social Media-Accounts erfolgen.
Um die Kunden zu uns ins Gartencenter zu locken, setzen wir auf vermehrte Events. Wir werden mehr saisonale Feste feiern und unser Workshop-Angebot gezielt ausbauen, um beispielsweise auch die jüngere Generation dauerhaft als Kunden zu gewinnen.
Des Weiteren haben wir uns zu einer Straffung des Sortiments im Bereich Pflanze entschieden. Wir sammelten die Erfahrung, dass die Kunden größtenteils auf Sicht kaufen. Das benötigt keine hohen Pflanzenbestände, sondern auf den Punkt bestellte Ware. Die Idee ist, frische Pflanzen mehrmals in der Woche zu ordern. So wollen wir auch unser Risiko und die Zeit für die Pflanzenpflege minimieren.
© Blumen SchwarzEine enorme Erleichterung wäre eine funktionierende Telefon-KI, aber das ist leider auch der Bereich, in dem wir vermutlich am meisten Kunden verlieren würden. Heino Schwarz, Blumen Schwarz in Schwabach
Wir werden weiter in die Ausbildung investieren, sobald wir jemanden gefunden haben – einen Sozialpädagogen, Lehrer oder, Erzieher –, der uns bei der Ausbildungsdisziplin, der Lernüberwachung und dem Bürokram unterstützt. Die Installation von Moodle auf unserem Server als quelloffene Lernplattform und die Verknüpfung mit der Firmencloud sind als digitale Unterstützung geplant. Gutes Personal ist der Dreh- und Angelpunkt für jede Betriebsentwicklung. Wir wissen allerdings nicht, wie wir als kleiner Betrieb, die ständig steigenden Lohnkosten abfangen können.
Die Zukunft liegt aus unserer Sicht in wertvollen Produkten mit tatsächlichem Mehrwert, wie beispielsweise durch die Verwendung regionaler Erden und regionalem „Abfall“-Dünger. Hier erhoffen wir uns eine Kostenreduktion von 30 bis 50 % und eine bessere Umweltbilanz. Wir setzen auch auf digitale Pflanzeninformationen – zum Beispiel durch eine automatisch generierte E-Mail mit Link nach dem Einkauf mit der Kundenkarte. Regionale Vernetzung und eine hohe Sortenvielfalt sind weitere Themen. Zudem denken wir intensiv über kürzere Öffnungszeiten und den Ausbau unseres 24/7-Konzeptes für die Gärtnerei in Schwabach (Rutzendorf hat das schon) nach. Auch umweltverträglichere Energielösungen oder rein organische Materialien in der Floristik sind aktuell im Gespräch. Lassen sich diese Investitionen durch höhere Preise abfangen oder müssen wir andere Wege finden? Das ist noch zu klären.
Der derzeit hohe Krankenstand führt zu einer hohen Arbeitsbelastung, zu mehr Fehlern und einem Leistungsabfall. Wir möchten unsere ungelernten Kräfte so schulen, dass sie bereit sind, mehr Verantwortung zu übernehmen. Der Webshop ist gut, um über Google gefunden zu werden. Das Versenden der Pakete ist aber, im normalen Endverkaufsprozess zeitraubend. Daher diskutieren wir eine Abschaffung.
Eine große Chance sehen wir darin, dass sich das Angebot von Endverkaufsgärtnereien und Floristikbetrieben minimiert und sich der Markt unter wenigen aufteilt. Gleichzeitig ist das aber ein sehr negativer Trend, denn der Otto-Normalverbraucher weiß irgendwann nicht mehr, dass man Blumen auch außerhalb des LEH kaufen kann.
Wir beobachten die KI-Entwicklung sehr genau. Bis zum heutigen Zeitpunkt schätzen wir die Lage so ein, dass ein Einsatz im besten Fall die Qualität steigert, aber in keinem Fall Personal einspart. Alle großen Firmen, die Personal entlassen haben und dafür KI verwenden, ruderten bereits zurück oder sind dabei (Beispiel: Klarna-Support). Aktuell verdient, außer den Hardware-Herstellern, keiner an KI. Weltweit verursacht die KI zudem einen immensen Anstieg des Stromverbrauchs. Eine enorme Erleichterung wäre für uns eine funktionierende Telefon-KI, aber das ist leider auch der Bereich, in dem wir vermutlich am meisten Kunden verlieren würden. KI zur digitalen Warenkorberfassung zu nutzen, hat Amazon in Amerika schon Anfang 2025 aufgegeben (70 % falsche Daten). Wir erhoffen uns eine Vereinfachung der normalen Büroprozesse, ohne dass es dem Kunden auffällt. Im Laufe von 2026 testen wir erstmals ein lokales Large Language Model. Wenn wir KI nutzen, dann machen wir das nur zu 100 % lokal. Ich möchte nicht, dass meine Kunden- und Firmendaten als Training öffentlich werden. Wir folgen damit weiter unserem Grundsatz: IT ist super, aber alle Daten bleiben im Haus und nichts wird in Clouds oder Onlineangebote ausgelagert.
Wir werden, sobald der Streit mit der Stadtverwaltung in Schwabach beigelegt ist, in einen zweiten Gießroboter investieren, denn das erspart uns unglaublich viele Arbeitsstunden bei der Friedhofspflege. Gleichzeitig arbeiten wir weiter daran, unseren CO2-Abdruck zu senken und die Nachhaltigkeit voranzubringen. Demnächst gehen zwei Wärmepumpen in Betrieb – mit je 50 kWh Heizleistung als Grundversorgung bei frostfreier Außentemperatur. Ein weiteres Dieselfahrzeug wird durch ein Elektroauto ersetzt.
Heino und Annette Schwarz leiten gemeinsam mit Sohn Lukas Schwarz die Endverkaufsgärtnereien Blumen Schwarz in Schwabach und Rutzendorf, zu denen auch eine Eigenproduktion gehört. www.blumen-schwarz.de
© WohlhüterDas Thema Wandel begleitet uns als Betrieb in diesem Jahr besonders stark. Jessica Hieber und Thomas Wohlhüter, Wohlhüter Garten-Land, Gundelfingen
Mitarbeiterstruktur – insbesondere im Generationenbetrieb: Als Generationenbetrieb beschäftigen wir uns intensiv mit der Weiterentwicklung unserer Mitarbeiterstruktur. Dabei liegt ein besonderer Fokus darauf, bestehende Strukturen an die neuen Gegebenheiten anzupassen, um Mitarbeiter effizient einzusetzen – insbesondere angesichts des Fachkräftemangels. Wir setzen auf klare Strukturen, definierte Zuständigkeiten und gezielte Einsatzpläne, die den individuellen Stärken der Mitarbeiter gerecht werden, ergänzt durch Weiterbildung und Job-Rotation. Gleichzeitig bleiben der Wissenstransfer zwischen den Generationen, moderne Führungsstrukturen und flexible Arbeitszeitmodelle ein zentraler Bestandteil, um Tradition und Erfahrung mit neuen Ideen und frischen Impulsen zu verbinden.
Kundenevents & Erlebnischarakter: Wir bauen unseren Eventbereich weiter aus. Geplant sind verstärkt Themenabende, saisonale Veranstaltungen und besondere Kundenevents, um unseren Betrieb noch stärker als Erlebnisort zu positionieren.
Social Media & Kundenbindung: Über unsere Social-Media-Kanäle setzen wir verstärkt auf Kundenumfragen, Gewinnspiele und interaktive Formate. Der direkte Austausch mit unseren Kundinnen und Kunden liefert uns wertvolle Impulse und stärkt die Bindung nachhaltig.
Azubisuche über soziale Netzwerke: Die Gewinnung von Auszubildenden erfolgt zunehmend über soziale Netzwerke. Wir möchten den Beruf attraktiver darstellen, Einblicke in den Arbeitsalltag geben und junge Menschen dort erreichen, wo sie sich informieren und austauschen.
Umfangreiches Sortiment: Unser Sortiment bleibt bewusst breit aufgestellt: Von Pflänzchen über Schmuck und dekorativen „Nippes“ bis zu Geschenkartikeln – bei uns bekommt man alles aus einer Hand. Diese Vielfalt sehen wir als große Chance im Wandel, da wir flexibel auf Kundenwünsche reagieren können.
Gastronomie & Eventbereich: Unsere Gastronomie ist ein zentraler Baustein. Sie verbindet Einkauf, Aufenthalt und Erlebnis. In Kombination mit Events schafft sie eine besondere Atmosphäre und zusätzliche Anreize für unsere Kundschaft.











Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Artikel kommentierenSchreiben Sie den ersten Kommentar.