
Hitzefrei im Gartencenter?
Die Hitzewelle Ende Juni/Anfang Juli trieb die Temperaturen in vielen Verkaufsgewächshäusern in unerträgliche Höhen. Als dann am 2. Juli Temperaturrekorde vorhergesagt waren, schlossen einige Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Gartencenter am Nachmittag – so auch Michael Löschau und Martina Schliebener.
von Grit Landwehr erschienen am 15.07.2025In den letzten Junitagen hatte eine Hitzewelle Deutschland fest im Griff – mit ihrem Höhepunkt am 2. Juli. Nach vielen heißen Tagen über 30 °C waren für diesen Tag Spitzenwerte von bis zu 40 Grad im Schatten angesagt. In den Verkaufsgewächshäusern vieler Gärtnereien und Gartencenter herrschten Temperaturen, die kaum auszuhalten waren. Einige Unternehmerinnen und Unternehmer entschlossen sich deshalb, ihre Gartencenter am Nachmittag des 2. Juli zu schließen. Unter ihnen auch Michael Löschau, der alle drei Betriebe in Oldenburg und Rastede ab 12 Uhr schloss und alle Mitarbeiter nach Hause schickte. Er hatte das für die Kunden auf Social Media und in den Geschäften angekündigt.
© LöschauMan spürt deutlich, dass es für die Kunden eine immer wichtigere Rolle spielt, wie Unternehmen mit ihren Mitarbeitern umgehen. Michael Löschau, Oldenburger Wohngarten GmbH
„Das war das erste Mal, dass wir das gemacht haben, es wird aber sicher nicht das letzte Mal bleiben“, erklärt der Unternehmer. Sowohl von den Mitarbeitenden, als auch von den Kunden kam sehr viel Zuspruch für sein konsequentes Handeln. „Man spürt deutlich, dass es für die Kunden eine immer wichtigere Rolle spielt, wie Unternehmen mit ihren Mitarbeitern umgehen“, erklärt er und erzählt kopfschüttelnd von einem Social-Media-Post eines Kollegen, der zeigte, wie seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei 60 °C im Gewächshaus um die Pflanzen kämpfen. Er habe am Nachmittag des 2. Juli selbst im Gewächshaus gestanden, „das war kaum auszuhalten“, erinnert er sich.
Über die finanziellen Einbußen, die er an diesem Tag durch die Schließung möglicherweise hatte, habe er nicht nachgedacht, ihm sei es vor allem um den Schutz seiner Mitarbeitenden gegangen. Und am deutlich kühleren Folgetag waren die Umsätze gut, freut sich Michael Löschau.
Martina Schliebener, Geschäftsführerin der Gärtnerei Schliebener GbR in Wolfsburg-Hehlingen hat schon im vergangenen Jahr an etwa zwei-drei besonders heißen Tagen das Gartencenter am Nachmittag geschlossen. „Bei dieser extremen Hitze sind die Bedingungen in unseren Gewächshäusern kaum auszuhalten – weder für unsere Mitarbeiter noch für unsere Kunden. Aus Rücksicht auf die Gesundheit und das Wohlbefinden aller sahen wir daher keine andere Möglichkeit, als unser Gartencenter ab Nachmittag zu schließen. Zudem ist an solch heißen Tagen ein produktives Arbeiten ohnehin nur eingeschränkt möglich“, erklärt die Geschäftsführerin.
© SchliebenerWir haben unglaublich viel positives Feedback von unseren Kundinnen und Kunden erhalten. Viele haben uns für die Entscheidung sowie die offene Kommunikation gelobt. Martina Schliebener, Gärtnerei Schliebener
Die Kunden wurden über die Social-Media-Kanäle des Unternehmens, den Newsletter und die Website am Vortag über die verkürzten Öffnungszeiten informiert. Auch bei Google wurden die Zeiten entsprechend angepasst, sodass die Kundinnen und Kunden gut informiert waren. Kunden, die Bestellungen getätigt hatten, wurden persönlich angerufen.
„Wir haben unglaublich viel positives Feedback von unseren Kundinnen und Kunden erhalten. Besonders unser Beitrag in den sozialen Medien wurde zahlreich geliked und geteilt. Sogar auf unseren Newsletter haben viele direkt geantwortet und uns für die Entscheidung sowie die offene Kommunikation gelobt“, erzählt Martina Schliebener. Auch bei den Mitarbeitenden des Unternehmens kam die Schließung gut an.
Ob durch die verkürzten Öffnungszeiten Umsatzeinbußen entstanden sind, ließe sich nur schwer beurteilen. Auffällig sei jedoch gewesen, dass am Vormittag deutlich mehr Kundschaft im Laden war, als an vergleichbaren Tagen – was darauf hindeutet, dass viele ihren Einkauf einfach früher erledigt haben.
Aktualisierung vom 25. Juli
Nachdem wir diesen Artikel veröffentlicht hatten, kam ein weiteres Statement per Mail von Margot Forscheln, Blumen Forscheln in Heinsberg:
Wenn das Thermometer über 30 Grad klettert, sind die Temperaturen in unseren Gewächshäusern eine Zumutung für Kunden und Mitarbeiter. Margot Forscheln, Blumen Forscheln in Heinsberg
Ich fand Ihren Artikel über das „Hitzefrei in Gärtnereien“ recht interessant. Wir praktizieren dies schon seit einigen Jahren. Steigt das Thermometer draußen über 30 Grad ist es in unserer älteren Gärtnerei zu heiß. Dies ist eine Zumutung für unser Personal und auch für die Kunden.
Die Schließung kommunizieren wir mit einem großen Aufsteller – dabei lassen wir unseren vorgelagerten Außenverkauf mit Vertrauenskasse-Selbstbedienung offen, sodass die Kunden, die noch ein Geschenk oder ein paar Kräuter etc. benötigen, sich selbst bedienen können. Das wird hier gut angenommen, und solange nicht die Kasse oder anderes entwendet wird, lassen wir es dabei.
Wir haben uns am Anfang schwergetan, es fehlt ja dann auch ein bisschen was in der Kasse – aber mittlerweile sind wir von dem Konzept so überzeugt, dass wir jetzt das dritte Jahr in Folge den Betrieb im Sommer für zwei Wochen schließen und zusammen Urlaub machen. Das kommt auch der Personalplanung in der Urlaubszeit entgegen.
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