
Quo vadis Gartencenterkundschaft?
Wohin entwickelt sich die Kundschaft in unserer Branche? Welche Zielgruppe ist die dominierende im Gartencenter? Und wie lässt sich der aktuellen Kaufzurückhaltung entgegenwirken? Diesen Fragestellungen widmete sich das Herbsttreffen 2024 der Denkfabrik Garten.
von Erwin Meier-Honegger, Dürnten/CH erschienen am 15.11.2024Die Denkfabrik Garten ist ein Zusammenschluss von Experten und Persönlichkeiten der grünen Branche, die sich zwei- bis dreimal im Jahr zusammenfinden. Zielsetzung dieses Thinktanks ist es, wichtige Zukunftsfragen und Themen aus dem Gartenmarkt und dem Gartenhandel zu benennen, zu analysieren und neue Impulse zu setzen. Zudem will die Denkfabrik eine Plattform bieten, um Branchenkennern Raum für den Austausch auf Augenhöhe zu brandaktuellen Themen zu ermöglichen.
Die daraus sich ableitenden Strategien und Handlungsweisen werden dokumentiert und dienen den Teilnehmern als Arbeitsgrundlage. Des Weiteren werden Positionspapiere erarbeitet und der Gartenbranche über die Fachpresse zugänglich gemacht. www.denkfabrik-garten.de
Für die gemeinsame Auslegeordnung wurden die emotionalen Persönlichkeitsstrukturen gemäß dem Limbic-Konzept herangezogen. Diese verdichten sich in Typen, welche sich an drei Charaktertendenzen orientieren: Dominanz (Konkurrenz/Verdrängung), Stimulanz (Exploration/Entdeckung) und Balance (Sicherheit/Stabilität).
Letztere steht im Fokus einer Mehrheit der im grünen Markt agierenden Unternehmen. Diese traditionalistisch-diszipliniert agierende Kernzielgruppe agiert bei Unsicherheiten typischerweise besonders schnell sparsam. Entsprechend scheint nachvollziehbar, dass die grüne Branche bei länger anhaltenden Krisenphasen akzentuiert unter Kaufzurückhaltung ihrer Hauptzielgruppen leidet.
Freizeiterlebnisse stehen im Fokus der Kunden
Die Branche bewegt den Fokus daher seit einiger Zeit in Richtung einer mehr auf Stimulanz reagierenden Zielgruppe. Diese von Offenheit und Hedonismus geprägten Typen verleihen momentan jedoch hauptsächlich den Branchen im Tourismussektor Flügel. Die frisch erwachte Reiselust befördert die anderweitige Sparneigung und sorgt gleichzeitig für anhaltende Zeitknappheit bei der strategischen Zielgruppe. Im Umkehrschluss ist das Verlangen nach Freizeitbeschäftigung und Abwechslung ein starkes Grundbedürfnis, welches auch die grüne Branche bedient.
Der Kaufzurückhaltung kann ausschließlich durch klassisches, betriebswirtschaftliches Denken und die Justierung der Preispolitik begegnet werden. Es gilt im Betriebsalltag rationeller und sparsamer zu agieren, sowie einladende Preisangebote zu forcieren. Denkfabrik Garten
Die Branche muss sich auf diese wenig beeinflussbaren Umstände einstellen. Der Kaufzurückhaltung kann ausschließlich durch „klassisches“, betriebswirtschaftliches Denken und die Justierung der Preispolitik begegnet werden. Es gilt im Betriebsalltag, rationeller und sparsamer zu agieren, sowie einladende Preisangebote zu forcieren. „Höhere Kundenaktivierung mit weniger Personal“, lautete eine der Zusammenfassungen. Oder wie es ein Kollege sehr fein formulierte: „Die Kaufzurückhaltung motiviert uns zu einer höheren Genauigkeit in unserem Handeln.“
Einfachere und günstigere Produkte sind gefragt
Vieles davon gilt es, auch der Industrie respektive den Lieferanten nahezulegen. Das Over-Engineering muss zurückgedreht werden. Die Branche braucht wieder einfachere und günstigere Produkte/Lösungen. Ebenso gilt es, gemeinsam das Verständnis der Transition von Sortimentsanbietenden hin zu Lösungsanbietenden zu schärfen und in diesem Prozess Dienstleistungsangebote zu ergänzen.
Solange es Sparpotenzial gibt, bleibt der Handlungsbedarf bei derzeit erfolgreichen Konzepten überschaubar. Gleichwohl muss sich die Branche Gedanken machen, welche Strategien es gibt, wenn der Gartenbedarf dereinst weniger würde. Stichworte hierzu sind Verdichtung, weniger Gärten, Reduzierung der Gartenflächen, Klimawandel.
© BHBDer Wandel bleibt unser ständiger Begleiter und wie die Natur passen wir uns an. Alexander Kremer
„Trotz allem geht es immer um das Zuhause der Menschen und damit um ein Grundbedürfnis, das zwar einem Wandel unterworfen ist, aber niemals aus der Mode kommt.“ So fasst es Alexander Kremer zusammen. Und er macht uns Mut: „Es sich zu Hause schön machen, wird auch in 100 Jahren noch der Wunsch der Menschen sein. Nur sehen die Häuser, Wohnungen und Geschmäcker dann eben anders aus. Der Wandel bleibt unser ständiger Begleiter und wie die Natur passen wir uns an!“ Die gute Nachricht ist, dass Pflanzensortimente der Kaufzurückhaltung am ehesten trotzen, „denn da wo viel grün ist, ist auch viel Hoffnung“.
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