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Konjunktur im Gartenbau

Abkühlung mit Perspektive

Die Stimmung im bayerischen Gartenbau ist auf einem historischen Tiefstand – nahezu jeder zweite Betrieb meldet rückläufige Umsätze, mehr als jeder dritte rechnet mit weiteren Einbußen. Was zunächst nach einem regionalen Stimmungsbild klingt, liefert auch für den Gartenfachhandel in ganz Deutschland wichtige Hinweise.

von Text und Auswertung: Gordian Bihrer und Markus Konrad, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg (AELF) Augsburg, Abteilung Gartenbau erschienen am 17.02.2026
Die Temperatur in der Wirtschaft und im Handel ist derzeit eine kühle. © Christoph Killgus
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Die nachfolgende Analyse basiert auf den Einschätzungen von 119 bayerischen Gartenbaubetrieben und dient als konjunkturelles Stimmungsbarometer für die Branche. Im Mittelpunkt dieses Jahrgangs stehen folgende Fragen:

  • Wie verlief das Geschäftsjahr 2025, und wie sind die Erwartungen für 2026?
  • Wie stark sind heimische Wildstauden bereits in den Betrieben verankert?
  • Wie weit ist die Umsetzung von 24/7-Verkaufskonzepten fortgeschritten?

Das Jahr 2025 war für weite Teile des Einzelhandels – und damit auch für viele bayerische Gärtnereien – wirtschaftlich enttäuschend. Das zunehmend dynamische und herausfordernde Marktumfeld der vergangenen Jahre hinterlässt deutliche Spuren. Allein im Zierpflanzenbau hat seit der letzten statistischen Erhebung 2021 jeder zehnte Betrieb dauerhaft aufgegeben, die Branche schrumpft weiter. Die Nachwirkungen der inflationsgeprägten Jahre 2022 und 2023 sind weiterhin spürbar: Viele Verbraucher stehen durch gestiegene Lebenshaltungskosten unter Druck.

Markt für Blumen und Pflanzen bleibt in der Abwärtsbewegung

Auch wenn die Lebensmittelpreise insgesamt nicht mehr sinken, könnte sich 2026 eine leichte Entspannung abzeichnen. Prognostiziert werden moderat steigende Reallöhne, eine gedämpfte Inflation und stabilere Energiepreise. Gleichzeitig bleiben Unsicherheiten hinsichtlich wirtschaftlicher Entwicklung und Arbeitsplatzsicherheit bestehen. Kriege sowie Energie- und Wirtschaftskrisen verstärken die Verunsicherung, die Sparquote liegt mit über 11 Prozent deutlich über dem Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre. Investitionen werden aufgeschoben – ein Umfeld, in dem sich auch bayerische Gartenbaubetriebe behaupten müssen.

Das aktuelle Konjunkturbarometer spiegelt diese angespannte Lage wider. Die Stimmung beim Geschäftserfolg hat sich gegenüber 2024 nochmals deutlich verschlechtert und erreicht einen historischen Tiefstand. Nahezu jeder zweite Betrieb meldet rückläufige Umsätze.

Wie ist die Einschätzung von 119 bayerischen Gartenbaubetrieben zum Geschäftserfolg 2025?
Wie ist die Einschätzung von 119 bayerischen Gartenbaubetrieben zum Geschäftserfolg 2025? © AELF Augsburg

Trotz eines witterungstechnisch weitgehend normalen Jahres bleibt der Markt für Blumen und Zierpflanzen in der Abwärtsbewegung. Zuwächse lassen sich vielfach nur noch über Preise erzielen, während die Absatzmengen sinken. Besonders betroffen sind kleine und mittelgroße Familienbetriebe mit hoher Arbeitsintensität und engen Margen, wie sie vor allem im Süden Deutschlands verbreitet sind.

Mehr als jeder dritte Betrieb rechnet mit sinkenden Umsätzen

Auch im bayerischen Gemüsebau überwiegt 2025 die Unzufriedenheit. Trotz überwiegend guter Ernten bleiben die Erzeugerpreise niedrig, während Kosten für Arbeit, Energie und Betriebsmittel deutlich gestiegen sind. Fachkräftemangel, steigende Mindestlöhne und der Wettbewerbsdruck durch Importware verschärfen die Situation zusätzlich. Unterschiedliche Rahmenbedingungen innerhalb Europas verstärken die Standortnachteile des heimischen Anbaus.

Welche Erwartungen haben bayerische Betriebe derzeit an die Zukunft?
Welche Erwartungen haben bayerische Betriebe derzeit an die Zukunft? © AELF Augsburg

Die Stimmung in den bayerischen Baumschulen hat sich ebenfalls weiter eingetrübt. Hier wirkt vor allem ein langfristiger Nach-Corona-Effekt: Viele Verbraucher haben größere Investitionen in Garten- und Gehölzprodukte bereits während der Pandemie getätigt. Entsprechend verzeichnet die Baumschulerhebung 2025 gegenüber 2021 einen Rückgang der Betriebe um 15,7 Prozent.

Insgesamt belastet dieser Mix aus Preisverfall, steigenden Kosten und strukturellem Arbeitskräftemangel die Stimmung im bayerischen Gartenbau erheblich.

Diese Erfahrungen prägen auch die Erwartungen an die Zukunft. Unsicherheit und Zurückhaltung dominieren das Stimmungsbild: Mehr als jeder dritte Betrieb rechnet mit sinkenden Umsätzen.

Fachkräftemangel weiterhin ausgeprägt

Während im Einzelhandel weitere Preisanpassungen kaum zu vermeiden sind, bleibt in den Produktionsbetrieben die Lücke zwischen steigenden Kosten und erzielbaren Preisen groß. Besonders im Obst- und Gemüsebau besteht weiterhin existenzieller Nachholbedarf. Zwar liegt das Konjunkturbarometer mit 52 Prozent nur leicht unter dem Vorjahreswert, zugleich wächst die Skepsis, wie weit Preissteigerungen bei zunehmend preissensiblen Verbrauchern noch durchsetzbar sind.

Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene führen hohe Unsicherheiten, eine schwache Nachfrage, strukturelle Standortnachteile, erschwerte Kreditbedingungen und internationaler Wettbewerbsdruck zu ausgeprägter Investitionszurückhaltung. Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe plant daher, ihre Investitionen 2026 zu reduzieren; nur rund jeder Fünfte rechnet mit höheren Ausgaben.

Auch die Mitarbeitergewinnung bleibt eine große Herausforderung. Der Fachkräftemangel ist trotz konjunktureller Abkühlung weiterhin ausgeprägt und dürfte sich angesichts rückläufiger Nachwuchszahlen weiter verschärfen. In Bayern waren zuletzt rund 585.000 der 5,9 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten älter als 60 Jahre – nahezu jeder Zehnte könnte in den kommenden Jahren aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden.

Wie sieht es mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in den befragten bayerischen Gartenbaubetrieben aus?
Wie sieht es mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in den befragten bayerischen Gartenbaubetrieben aus? © AELF Augsburg

Während in vielen Branchen der Einsatz künstlicher Intelligenz Arbeitskräfte ersetzt, steht der Gartenbau hier noch am Anfang. Der Arbeitsmarkt bleibt klar arbeitnehmerorientiert – mit spürbaren Konsequenzen für die Personalplanung.

Umwelt- und Naturschutzthemen bleiben spannend

Der Blühpakt Bayern ist eine gemeinsame Initiative von Staat, Verbänden, Kommunen und Unternehmen zur Förderung der Artenvielfalt durch insektenfreundliche Lebensräume. Für Mitgliedsbetriebe eröffnet er konkrete Chancen: betriebliche Flächen einzubringen, fachliche Beratung zu nutzen und Kompetenzen im Staudenbau gezielt einzusetzen. So wird ökologische Verantwortung als Wettbewerbsfaktor sichtbar.

Ein zentrales Element sind heimische Wildstauden. Sie sind an Klima und Standort angepasst und bieten über lange Zeiträume verlässliche Nahrungsquellen für Insekten. Für Gärtnereien verbinden sie ökologische Wirkung mit konkreten Marktchancen – von Blühflächen bis zu naturnahen Staudenbeeten.

42 Prozent der befragten bayerischen Betriebe führen noch keine heimischen Wildstauden.
42 Prozent der befragten bayerischen Betriebe führen noch keine heimischen Wildstauden. © AELF Augsburg

Die Umfrage zeigt ein zweigeteiltes Bild: 42 Prozent der Betriebe führen keine heimischen Wildstauden, weitere 41 Prozent weniger als 30 Arten. Gleichzeitig existiert eine engagierte Vorreitergruppe mit 30 bis über 50 Arten. Insgesamt ist das Thema angekommen, befindet sich in der Breite jedoch noch im Aufbau – mit erheblichem Entwicklungs- und Profilierungspotenzial.

24/7-Konzepte im Aufwind

Seit einigen Jahren entstehen zunehmend Smart- bzw. 24/7-Stores: kleine, meist personalfreie Verkaufsstellen mit bargeldlosem Bezahlsystem. Ende 2025 wurden bundesweit über 850 solcher Stores gezählt – mit stark steigender Tendenz.

Die Vorteile liegen in zeitlicher Flexibilität, Entlastung beim Personal und der Erschließung neuer Zielgruppen. Auch in Bayern stoßen diese Konzepte auf wachsende Akzeptanz, insbesondere als Hybridmodelle innerhalb bestehender Verkaufsstrukturen.

Rund jeder zweite befragte Betrieb beschäftigt sich inzwischen aktiv mit 24/7-Konzepten. Besonders hoch ist die Zustimmung zu integrierten Lösungen, vor allem im direkt vermarktenden Zierpflanzenbau. Reine Stand-alone-Shops werden deutlich zurückhaltender bewertet.

Die Ablehnung basiert weniger auf praktischen Hürden als auf strategischen Überlegungen. Für viele Betriebe passt das Konzept nicht zur eigenen Philosophie, insbesondere aus Sorge, das Alleinstellungsmerkmal der persönlichen Beratung zu verlieren. Wo 24/7-Konzepte abgelehnt werden, ist dies meist eine bewusste unternehmerische Entscheidung.

Wie wird aus Stabilisierung wieder Aufbruch?

Die Omnikrise prägt weiterhin das wirtschaftliche Umfeld. Neben geopolitischen Spannungen und globalen Unsicherheiten verschärft sich in Deutschland ein strukturelles Problem: Während produktive Beschäftigung zurückgeht, wächst der staatliche Verwaltungsapparat. Dieses Ungleichgewicht gefährdet langfristig die wirtschaftliche Basis. Wie Helmut Schmidt treffend formulierte: „Ein Staat kann auf Dauer nicht mehr verteilen, als seine Wirtschaft erwirtschaftet.“

Gleichzeitig werden strukturelle Ursachen oft nicht konsequent angegangen. Hohe Energiepreise, Bürokratie und regulatorische Komplexität schwächen die Wettbewerbsfähigkeit. Erste konjunkturelle Hoffnungsschimmer sind sichtbar, doch eher ist mit Stabilisierung als mit einem kräftigen Boom zu rechnen.

Der Strukturwandel im Gartenbau setzt sich fort. Besonders kleine Familienbetriebe geraten unter Druck, während sich für anpassungsfähige Betriebe neue Chancen eröffnen. Der Gartenbau bietet Antworten auf zentrale Zukunftsfragen – von Klimawandel über Versorgungssicherheit bis hin zum Artenschutz.

Um Fachkräftemangel und Kostenstrukturen zu begegnen, zeigen sich viele Betriebe offen für neue Vermarktungswege. Das neue bayerische Ladenschlussgesetz erweitert diese Spielräume zusätzlich. Der Blühpakt Bayern und der Einzug heimischer Wildstauden sind dabei eine Erfolgsgeschichte mit Perspektive.

Gleichzeitig prägt gesellschaftlicher Pessimismus die Stimmung. Die Wirtschaft sehnt sich nach Planungssicherheit und dem Mut zu echten Reformen. Nun ist die Politik gefordert, die strukturellen Weichen konsequent zu stellen – damit aus Stabilisierung wieder Aufbruch wird.

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