Besser leben mit R
Manches im Leben ist viel einfacher, als es aussieht, meint Tjards Wendebourg im aktuellen Kommentar. Hinter modischen Wortschöpfungen stecken oft einfache Weisheiten.
von Tjards Wendebourg, Redaktion DEGA GRÜNER MARKT erschienen am 08.12.2025Zu den modischen Wörtern, die zum Beispiel gerne im Zusammenhang mit dem Klimawandel verwendet werden, gehört das Wort „Resilienz“. Dessen Wirkung ist so allumfassend, dass es sich auf Lebewesen und Biotope ebenso anwenden lässt, wie auf Gesellschaften und Geschäftsmodelle. Resilienz lässt sich vielleicht am besten mit „widerstandsfähig dank Anpassungsvermögen“ übersetzen und beschreibt die Fähigkeit, auch bei veränderten Umgebungsbedingungen erfolgreich fortzubestehen. Resilienz zu haben oder zu entwickeln ist angesichts der Nachrichtenlage für jeden Einzelnen unabdingbar, um nicht in Schwermut zu verfallen.
Für ein Geschäftsmodell ist Resilienz sogar überlebenswichtig. Denn im Zeitalter der Disruption – noch so ein Wort, das neuerdings ständig bemüht wird – ist Anpassungsfähigkeit das Gebot der Stunde. Denn radikale Umwälzung von Märkten – und wer wollte bezweifeln, dass wir diese gerade erleben – machen viele Gewissheiten der Vergangenheit in kürzester Zeit obsolet. Ohne neue Ideen, ohne neue Blickwinkel auf eine veränderte Situation kann ein überkommenes Geschäftsmodell in kürzester Zeit seine Daseinsberechtigung verlieren. Das heißt nicht, dass sich nicht auch alte Ideen bewähren können. Aber wehe dem, der nicht einen wachen Blick dafür behält, was wie, weshalb und wie lange funktioniert.
Als etwa Corona die Schlagzeilen beherrscht hat und viele Messen nicht stattfinden konnten, wurden an vielen Stellen digitale Modelle ersonnen. Doch erfolgreich waren die 365°-24/7-Modelle in den wenigsten Fällen. Denn Messen funktionieren als Treffpunkte und nicht als Webseiten. Menschen kaufen bei Menschen, wollen Waren anfassen, ihre Qualität beurteilen und vielleicht sogar noch mit den Menschen dahinter Austausch pflegen können. Onlinehandel funktioniert in unserer schnelllebigen Zeit, weil niemand mehr die Geduld hat, für die Bedürfniserfüllung lange Wege in Kauf zu nehmen. Trotzdem steht am Beginn einer erfolgreichen Transaktion meist noch ein persönlicher Kontakt – zustande gekommen etwa auf einer Messe. Für eine Messe heißt Resilienz also nicht Digitalisierung, sondern Modernisierung der Funktion als Treffpunkt.
Für ein Geschäft gilt Ähnliches: Stationärer Handel bietet die Chance, Menschen persönlich zu treffen, zu beraten, zu bedienen, zu überzeugen und zu begeistern; heute und in alle Ewigkeit. Resilienz heißt hier, zu schauen, was die kommenden Generationen rund um das Geschäft bewegt und was man ihnen an Produkten und Dienstleistungen anbieten kann. Klingt einfach, geht aber oft schief. Es verlangt, einen wachen Geist, die Fähigkeit zur Selbstreflexion und ein empathisches Auftreten gegenüber den Menschen, die man als Multiplikatoren (vulgo VerkäuferInnen) braucht; um nur ein paar Resilienzfaktoren zu nennen.

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