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Jetzt erst recht

2026 wird ein Jahr der Entscheidungen

Die Veränderung im Markt ist längst kein Zukunftsszenario mehr. Sie ist Realität. Sie ist sichtbar – und spürbar. Wer durch neue Einkaufszentren geht, wer den Onlinehandel beobachtet, wer die eigene Frequenz im Geschäft anschaut, erkennt die neue Verteilung: Erlebnismarken auf kleinen Flächen – und rabattstarke Billiganbieter mit Masse. Dazwischen wird es eng.

von Rupert Fey erschienen am 04.12.2025
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Für Konzepte ohne klare Kante bleibt wenig Platz. Und auch die Hoffnung auf „mehr Stadtbummel“, „mehr Laufkundschaft“ oder ein „Zurück zur alten Normalität“ erfüllt sich nicht. In unserem 3.000 Seelen-Ort vor den Toren Hamburgs sind die Paketdienste bis 19.00 Uhr unterwegs – von Montag bis Samstag. Ganz im Gegensatz zum Bus, der kaum noch fährt. Das Kundenverhalten, auch meines, hat sich geändert – dauerhaft.

Dass das kein Grund zur Resignation ist, zeigt ein Blick zurück: In kaum einer Branche steckt so viel Veränderungskompetenz wie im Gartenbau. Viele der heute größten Zierpflanzenbetriebe und auch der Endverkauf sind in der Nachkriegszeit mit Gemüse gestartet. Später folgten Schnittblumen. Und als in den 1970er-Jahren die erste Energiekrise kam, entstand die Spezialisierung auf Topfpflanzen und Saisonware, meist zusammen mit der Entscheidung Eigenvermarktung oder nicht. Diese Entwicklung liegt oft nur ein bis zwei Generationen zurück. Veränderung war nie einfach – aber sie war immer machbar. Nicht für alle, aber für viele und für die Guten!

2026 wird ein Jahr der Entscheidungen. Die Dynamik nimmt zu. Wer klare Antworten hat, wird sichtbarer. Wer Konzepte umsetzt, statt sie nur zu skizzieren, wird Marktanteile gewinnen. Wer sich jetzt bewegt, bewegt etwas – auch für die Zukunft des eigenen Betriebs.

Dafür braucht es Mut. Aber nicht blinden Aktionismus. Sondern Klarheit: über das eigene Profil, die Zielgruppe, die Sortimente und die Prozesse. Nicht jeder Betrieb muss alles können. Aber jeder braucht einen erkennbaren Fokus. Zumindest aus Kundensicht und da gibt es unzählige Möglichkeiten, jedoch kein Patentrezept.

Wer aktiv gestaltet, wird Teil dieser Zukunft sein. Wer weiter auf bessere Zeiten hofft, wird überholt. Es ist ein Jahr, das nicht auf alle wartet. Es ist ein Jahr für Entscheidungen. Rupert Fey

Gleichzeitig bleibt das Fundament stabil: Unsere Produkte funktionieren. Blumen und Pflanzen haben ein durchweg positives Image. Sie stehen für Freude, Natur, Lebensqualität. Sie brauchen kein neues Image. Sie sind kein Auslaufmodell, das vom Smartphone ersetzt wird. Im Gegenteil: Die Nachfrage ist da – aber sie folgt neuen Spielregeln.

Diese Spielregeln gelten auch für die Produktion. Es reicht nicht mehr, 200.000 Einheiten ins Blaue zu produzieren und auf Abnahme zu hoffen. Die entscheidende Frage lautet nicht: Wie viel kann produziert werden? Sondern: Welche Ware wird, wann und wo gebraucht – und mit welchen Anforderungen? Mengen, Zeitpunkte, Qualitäten – alles hängt enger zusammen. Wer hier mit dem Handel kooperiert, hat die Nase vorn.

Dass solche Veränderungen nicht nur von außen kommen müssen, zeigt die Erinnerung an die Pandemiezeit. Damals wusste niemand, wie es weitergeht – und doch wurde Tag für Tag weitergedacht. Nicht immer perfekt, aber entschlossen. Viele Betriebe haben in kürzester Zeit neue Abläufe geschaffen, neue Kommunikationswege getestet, neue Sortimente aufgebaut. Schritt für Schritt, ohne Masterplan, aber mit Haltung. Das ist heute wieder gefragt.

Krisen sind nie angenehm. Aber sie machen das Notwendige sichtbar. Sie machen Not – wendig. Und genau darin liegt die Chance: bestehendes zu hinterfragen, Neues zu wagen. Auch wenn das heißt, sich von Altem zu trennen oder Wege zu gehen, die vorher nicht auf dem Zettel standen.

Wir kennen Betriebe, die radikal die Öffnungszeiten geändert sowie 24/7 Shops und Automaten gestartet haben. Oder mit neuen Produkten und eigener Marke schon im ersten Jahr hohe sechsstellige Stückzahlen erzielen. Die technisieren und Sortimente ausdünnen für anderes.

Weniger Mitbewerber – mehr Sichtbarkeit. Weniger Austauschbarkeit – mehr Profil. Mehr Bedarf an klaren Konzepten. Und mehr Raum und Erfolg für Menschen, die handeln, statt zu warten.

In der Konsequenz bedeutet das: 2026 startet – mit oder ohne Beteiligung. Wer aktiv gestaltet, wird Teil dieser Zukunft sein. Wer weiter auf bessere Zeiten hofft, wird überholt. Es ist ein Jahr, das nicht auf alle wartet. Es ist ein Jahr für Entscheidungen.

Und genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die eigene Rolle darin zu definieren. Mit einem klaren Blick auf das, was geht – und dem Mut, zu verändern, was nicht mehr trägt. Ohne Hektik, aber mit Klarheit und einem stabilen Fundament: Einem starken Produkt, einer lernfähigen Branche und der Gewissheit, dass Veränderung machbar ist.

Veränderung war nie bequem. Aber sie war immer eine Stärke dieser Branche. Jetzt erst recht. Und das ist das Motto dieser Kolumne und ein Stück weit auch mein persönliches für 2026.

 

Autor:in
Rupert Fey
ist Handelsexperte mit Schwerpunkt Blumen und Pflanzen. An dieser Stelle analysiert er für uns allgemeine Handelsentwicklungen und erklärt, was sie für die grüne Branche bedeuten. www.beyond-flora.com
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