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Rupert Feys Branchenblick

„Gesagt-getan“-Quote muss hoch

Neulich war ich wieder in einem Betrieb. Auf den ersten Blick alles okay – gute Leute, solide Umsätze, stabile Abläufe. Und trotzdem: schlechte Stimmung. Der Ton im Team gereizt, die Führung erschöpft. Und wenn man nachfragt, dauert es nicht lange, bis der erste Satz kommt: „Ja, der sagt immer, er macht das – aber dann passiert nichts.“

von Rupert Fey erschienen am 06.11.2025
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Danach geht’s reihum. Jeder ist enttäuscht, dass der andere irgendetwas nicht gemacht hat. Und am Ende stehen alle da und es geht nichts vorwärts.

Woran liegt’s? In diesem Fall war die Sache ziemlich klar. Die To-do-Liste war länger als das Jahr Tage hat. Es wurde viel versprochen, viel geplant, viel angekündigt. Neue Etiketten, neue Präsentation, ein Umzug der Floristik, ein Gießplan, ein neuer Newsletter, ein Saisonstart mit Feuerwerk. Alles irgendwie richtig. Nur: nichts davon wurde wirklich fertig. Nicht aus bösem Willen – sondern weil das Tagesgeschäft einfach keine Luft mehr ließ. Und weil man sich, mal ehrlich, wieder mal gnadenlos überschätzt hat.

In vielen Betrieben hat sich eine seltsame Praxis etabliert: Ankündigen sorgt für Ruhe. Wer laut genug sagt „Wir machen das“ oder „Kommt“, verschafft sich erstmal ein bisschen Luft. Für den Moment ist die Erwartung bedient. Aber eben nur für den Moment. Denn spätestens, wenn’s nicht passiert – und das bleibt selten unbemerkt – kippt die Stimmung. Aus Vorfreude wird Frust. Aus Vertrauen wird Misstrauen. Und aus einem engagierten Team wird ein genervter Haufen, in dem jeder dem anderen etwas vorwirft.

Dabei ist die Lösung nicht kompliziert, aber unbequem: Weniger reden. Mehr machen. Und vor allem: nur das zusagen, was man auch halten kann. Die „Gesagt-getan“-Quote muss hoch. Sonst schadet man sich selbst – und seinem Betrieb. Wenn ich dauernd etwas verspreche, das ich nicht liefern kann, verliere ich nicht nur Glaubwürdigkeit, sondern auch jede Menge Energie. Denn offene Baustellen kosten Kraft. Nicht nur, weil sie Arbeit machen, sondern weil sie innerlich blockieren.

Wer führt, muss sich im Klaren sein: Ich bin nicht nur Chef, sondern auch Taktgeber. Wenn ich ständig Pläne heraushaue, die keiner umsetzt oder umsetzen kann, dann sorge ich für Chaos. Nicht für Motivation. Wer dagegen klar sagt, was jetzt dran ist und was eben nicht, schafft Struktur. Und Struktur ist die beste Basis für ein gutes Miteinander.

Dazu gehört auch ehrlich hinschauen, was wirklich geht. Nicht jede Idee muss sofort umgesetzt werden. Nicht alle Baustellen müssen gleichzeitig bearbeitet werden. Manches kann warten. Manches muss sogar warten. Gerade Inhaberinnen und Inhaber überschätzen sich da gern. Der Wille ist groß, der Kalender voll – und plötzlich hängt alles. Nicht, weil das Team schlecht ist, sondern weil keiner mehr weiß, worauf es ankommt.

Und noch etwas: Es geht nicht nur um große Projekte. Auch die kleinen Dinge zählen. Wer sagt, er kümmert sich um den Kundenanruf, sollte das tun. Wer verspricht, die Gießliste zu machen, muss sie machen. Wer sich als Chef vornimmt, mittwochs mit dem Team zu sprechen, darf das nicht immer wieder verschieben. Die Summe der Kleinigkeiten belebt die Kultur.

Verlässlichkeit ist kein Extra, es ist das Fundament. Nicht alles muss perfekt laufen – aber das, was gesagt ist, muss gemacht werden. Oder, wenn es nicht geht, klar kommuniziert werden. Auch Absagen können Vertrauen stärken, wenn sie ehrlich und begründet sind.

Ich bin überzeugt: Wer seine „Gesagt-getan“-Quote konsequent im Blick behält, sorgt für bessere Stimmung, weniger Stress und mehr Tempo. Nicht, weil alles schneller geht, sondern weil weniger liegen bleibt. Das allein bringt schon mehr Bewegung als hundert neue Ideen auf der Pinnwand.

Also, lieber weniger versprechen, aber dafür liefern. Die Dinge zu Ende bringen, bevor man neue startet. Verantwortung nicht durch Ankündigung delegieren, sondern durch klare Zuständigkeiten. Klingt einfach. Ist aber eine echte Führungsaufgabe, die da anfängt, wo es am unbequemsten ist: bei einem selbst.

Autor:in
Rupert Fey
ist Handelsexperte mit Schwerpunkt Blumen und Pflanzen. An dieser Stelle analysiert er für uns allgemeine Handelsentwicklungen und erklärt, was sie für die grüne Branche bedeuten. www.beyond-flora.com
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