
Blumenhalle wird zum immersiven Erlebnis
Rieke Rahlfes, Milles Fleurs, Hannover, gestaltet 2026 die Blumenhalle der Landesgartenschau Bad Nenndorf. Vier immersive Floristik-Schauen verwandeln den 500 m² großen Raum über 173 Tage hinweg in ein floristisches Gesamtkunstwerk zwischen Natur, Emotion und moderner Raumgestaltung.
von Grit Landwehr erschienen am 20.04.2026Auf der Landesgartenschau 2026 in Bad Nenndorf kuratiert und gestaltet Rieke Rahlfes, Inhaberin von Milles Fleurs, Hannover, die Blumenhalle. Über einen Zeitraum von 173 Tagen werden vier Schauen zu sehen sein. Die Floristmeisterin ist Auftragsfloristin mit eigener Werkstatt und das erste Mal bei einer Landesgartenschau dabei. Was sie an der Herausforderung reizt, ist die Dimension: „Einmal nicht nur einzelne Werkstücke oder Aufträge umzusetzen, sondern einen kompletten Raum zu denken und zu gestalten – mit allem, was dazugehört: Planung, Abstimmung mit Behörden, Materiallogistik und dieser freien, konzeptionellen Art der Gestaltung.“
Eine bewusste Entscheidung – auch, weil dafür andere Aufträge wie Hochzeiten in dieser Zeit zurückgestellt werden mussten. Doch für Rieke Rahlfes war klar: Diese Chance möchte sie nutzen. „Weil es hier nicht nur um Gestaltung geht, sondern darum, zu zeigen, was Floristik auch sein kann. Nicht nur ein Produkt, sondern die Kunst der Kombination. Die Fähigkeit, Materialien, wie Seiden-, Schnitt-, Topf- und Trockenblumen so zusammenzubringen, dass daraus ein Gefühl entsteht“, erklärt die Floristmeisterin.

Zwischen sorgfältig angelegten Gartenflächen stellt sie in den Ausstellungen eine zentrale Frage: Was können Blumen eigentlich erzählen? Die Antwort darauf will sie nicht in einzelnen Werkstücken geben, sondern in raumgreifenden Installationen. Floristik soll hier zum immersiven Erlebnis werden – Installation statt Tischdekoration, Raum statt Einzelobjekt. Auch Objektskulpturen gehören dazu und laden dazu ein, Grenzen auszuloten: Ist das noch Floristik oder bereits Kunst?
Vier Themen, vier Atmosphären
Die Hallenschau ist als fortlaufender Wandel konzipiert. Vier aufeinanderfolgende Themenräume schaffen immer neue Eindrücke und laden dazu ein, die Ausstellung mehrfach zu besuchen:
Duftexplosion (29. April – 14. Juni 2026)Urkraft (15. Juni – 26. Juli 2026)Erblühen (27. Juli – 6. September 2026)Erdenwerk (7. September – 18. Oktober 2026)
Jede Phase greift unterschiedliche Aspekte des Lebenszyklus auf und übersetzt sie in florale Bilder.

Den Auftakt bildet die „Duftexplosion“ – ein intensiver, fast überfordernder Raum voller Fülle, in dem reale und künstliche Blüten bewusst nebeneinanderstehen. Die Installation spielt mit Wahrnehmung und stellt Fragen nach Echtheit und Inszenierung – ein Spiegel unserer Zeit zwischen Natur und digitaler Welt.
Mit „Urkraft“ verschiebt sich der Fokus: Die Natur tritt als leise, aber unaufhaltsame Kraft in Erscheinung. Wachstum wird hier nicht als kontrollierbarer Prozess gezeigt, sondern als etwas Eigenständiges, das sich seinen Weg sucht – selbst durch vermeintlich feste Strukturen.

„Erblühen“ richtet den Blick nach innen. Blumen werden zu Trägern von Emotionen – sie machen sichtbar, was oft unausgesprochen bleibt: Freude, Trauer, Sehnsucht. In ihrer Vergänglichkeit liegt dabei eine besondere Ehrlichkeit.
Den Abschluss bildet „Erdenwerk“. Hier geht es um Wurzeln, Halt und Verbundenheit – mit anderen, mit sich selbst und mit dem, was im Leben wirklich zählt.

Sichtbarkeit für ein sich wandelndes Handwerk
Die Hallenschau in Bad Nenndorf soll zeigen, wie sich die Floristik verändert – weg von rein traditioneller Handwerkskunst hin zu einem modernen, konzeptionellen Designansatz, in dem auch Themen wie Kunst, Raumgestaltung und sogar Digitalisierung eine Rolle spielen. Floristik kann Räume schaffen, Stimmungen erzeugen und gesellschaftliche Fragen aufgreifen – weit über den klassischen Blumenstrauß hinaus.
Für die Besucherinnen und Besucher der Landesgartenschau wird die Blumenhalle so zu einem Ort des Staunens und Nachdenkens. Für die Branche soll sie ein starkes Statement sein: Floristik ist ein kreativer, vielschichtiger Beruf, der handwerkliches Können mit künstlerischem Ausdruck verbindet.



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