Logo DEGA GRÜNER MARKT

Geben Sie einen Suchbegriff ein
oder nutzen Sie einen Webcode aus dem Magazin.

Geben Sie einen Begriff oder Webcode ein und klicken Sie auf Suchen.
Mathys fragt … Torsten Brämer

Online-Gemeinschaft „Wir sind Garten“

Torsten Brämer betreibt die Community „Wir sind Garten“  mit über einer Million Followern auf den sozialen Netzwerken. Der Dipl.-Sozialpädagoge bekam von seinem Großvater zwei grüne Daumen und viel Leidenschaft fürs Gärtnern in die Wiege gelegt. 2021 gründete Brämer die Online-Gartengemeinschaft, deren Startschuss damals sprichwörtlich durch die Decke ging und die bis heute erfolgreich im World Wide Web sowie auf den Kanälen der sozialen Medien agiert.

von Oliver Mathys erschienen am 24.02.2026
Oliver Mathys interviewte Torsten Brämer zu dessen Online-Gartengemeinschaft „Wir sind Garten“. © Oliver Mathys
Artikel teilen:
Oliver Mathys: Hallo Torsten, stimmt es, dass du eigentlich Altenpfleger von Beruf bist? Torsten Brämer: Wer hat dir das verraten? – Ja, du hast recht. So begann ich meine berufliche Ausbildung und danach ging es dann weiter als Dipl.-Sozialwissenschaftler. Meine Quelle verrate ich nicht – das läuft unter Pressefreiheit! – Aber wie kommt ein Dipl.-Sozialwissenschaftler dazu, als Influencer der Hobbygärtner sein berufliches Dasein weiterzuentwickeln? TB: Kurze Version – im Jahr 2012 setzte ich mich für meinen damaligen Arbeitgeber mit den sozialen Netzwerken intensiver auseinander. Für dieses Unternehmen bestand von der strategischen Ausrichtung her nicht das Bedürfnis, dort weiter aktiv aufzutreten – ich selbst war davon aber irgendwie gefesselt. So hatte ich mich entschlossen, privat eine Gartenseite zu gründen. Diese hatte rasanten Zuwachs und ging zu der damaligen Zeit regelrecht durch die Decke. So wurde Facebook – das heutige Meta – auf mich bzw. meine Gruppe aufmerksam und ermöglichte mir als Administrator, mich in unterschiedlichen Varianten der Weiterbildung mit der Materie weiterzuentwickeln. Ich wurde bildlich gesprochen im Strom mitgezogen … Sorry, dass ich kurz hineingrätsche – aber warum eine Hobbygärtnerseite als Altenpfleger? TB: Wie so oft wurde auch bei mir diese Saat durch meine Großeltern gelegt – mein Opa war Bergmann und hatte einen typischen Zechenhausgarten, der direkt an das Wohnhaus eines Bergmanns in einer Zechenkolonie angrenzte. Er war typischerweise Teil einer Zechenkolonie und diente im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in erster Linie der Selbstversorgung. Sein Garten hatte eine Größe von gut 2.000 m². Ich verbrachte bei ihm viele glückliche Stunden – lernte alles über Kartoffeln und andere Gemüsearten, Obstbäume und vieles mehr. Das Einzige, was wir nicht hatten, waren Hühner – die wurden bereits vor meiner Zeit abgeschafft, lediglich vier Kaninchenställe waren noch da. Ja, und danach hatte ich immer einen eigenen Garten – mal groß oder kleiner – mal blumig, aber immer auch zur Selbstversorgung. So sammelte ich meine Erfahrungen – positiv wie auch negativ – und hatte zu dem Thema immer einen gewissen Austausch mit Nachbarn und Freunden. Also war bei dieser Entscheidung der Weg zu den Hobbygärtnern recht nahe. Und wie ging es dann weiter? TB: Wie bei vielen war auch bei mir die Pandemie der Gamechanger – nicht nur, dass ich in der Periode Zeit hatte – nein, das Bedürfnis der Menschen nahm schlagartig zu. Und noch wichtiger wurde der soziale Austausch untereinander – war es doch während vieler Monate die einzige Möglichkeit, miteinander seine Erfahrungen auszutauschen. Persönliche Treffen waren ja zu dem Zeitpunkt nicht möglich. So vertiefte ich mich noch mehr darin und wurde selbstständig, was ich seit 2021 bin. Wie siehst du die Entwicklung und den Einsatz der sozialen Netzwerke in der grünen Branche? TB: Da ist noch viel Luft nach oben – oder anders gesagt, denke ich, dass die Möglichkeiten, welche sich unserer Branche bieten, von den meisten hier noch vollkommen unterschätzt werden. Sind doch gerade die emotionalen Produkte, mit welchen wir es tagtäglich zu tun haben, perfekt für die sozialen Netzwerke geeignet. Da bei vielen Unternehmern noch die ältere Generation am Ruder sitzt und diese größtenteils in ihren gelebten Strukturen regelrecht feststeckt, werden diese Medien als unwichtig abgetan oder mit dem Satz „Das kann ja dann Tochter oder Sohn machen“ delegiert. Jedoch ohne dabei die Entscheidungen, welche damit verbunden wären, abzugeben. Was meinst du konkret – sprichst du jetzt über Befugnisse oder finanzielle Mittel? TB: In erster Linie geht es mir um eine klare Strategie, welche ein Unternehmen hierbei verfolgen sollte. Die muss festgelegt und danach auch beim Social Media-Auftritt immer wieder erkennbar umgesetzt werden. Die Herausforderung ist die Kontinuität – also zu Anfang keinen Sprint mit vier bis fünf Videos am Tag hinlegen. Ein guter und erfolgreicher Auftritt in den sozialen Netzwerken ist durch seine regelmäßig wiederkehrenden Botschaften erkennbar. Wichtigster Aspekt ist der Faktor Mensch – hier bieten sich auch riesige Chancen für alle – nicht nur, dass ein Team als Botschafter nach außen hin funktionieren kann – nein, vielmehr startet da eine regelrechte Kunden- und Mitarbeiterbindung. Und es werden immer wieder neue Teammitglieder dazustoßen, welche auch in dem Unternehmen arbeiten wollen. Neben qualitativ guten Bildern und kurzweiligen Videos ist das Storytelling der jeweiligen Produkte oder Situationen essenziell. Ohne die funktioniert es nicht. Dabei kommt es natürlich auf die unterschiedlichen Algorithmen der jeweiligen Medien an – Instagram fördert zurzeit fast nur noch kleine Videos – mit Bildern kommt man kaum noch über seine bestehenden Follower hinaus. Unterschätzen sollte man zudem die rechtliche Seite nicht – Urheberrecht bei Bildern, Musik etc. wird gerade ein riesiges Thema. KI ist in aller Munde und ich höre viel, dass man echte Bilder nicht mehr braucht und mittels KI schnell gemacht seien – wie siehst du die Möglichkeiten und die Risiken? TB: Wir werden ja regelrecht überrollt mit Fake News und KI-Bildern – aber wenn man etwas genauer hinsieht, sind diese zumindest zurzeit noch leicht zu erkennen – und sind wir ehrlich: Es fehlen gerade darin die Emotionen und die Authentizität. Ich denke, dass man einerseits vorsichtig sein sollte, wo man es einsetzt – aber auf der anderen Seite Gebrauch machen sollte von den Möglichkeiten, welche sich bieten. Gerade für Textentwürfe ist es der Wahnsinn, wie sich alles weiterentwickelt – ich nutze dies als Entwurf und gebe dem am Schluss jedoch immer noch eine persönliche Note – damit es erkennbar wird und sich unterscheidet. Ich sehe übrigens dies alles auch nicht als Bedrohung – und liebe das Zitat: „Nicht KI ist die Bedrohung, sondern derjenige, welcher sie besser anwendet als du selbst.“ Mir fällt auf, dass viele Kollegen, oft zu lange bei dem Textentwurf und der Bildauswahl hängenbleiben. Welchen Tipp kannst du ihnen geben? TB: Social Media ist alles andere als Perfektion – du machst es ja auch so. Da sind spontane Bilder mit integriert, auch mal an einem Bad-Hair-Day. Mein Tipp: Machen, ausprobieren, und ja, das Netz vergisst nichts, aber morgen kommen schon 1.000 neue Posts, welche in den Vordergrund wollen. Man kann also ausgezeichnet ausprobieren, und wenn mal ein Textfehler drin ist, dann gibt es Reaktionen und Clicks, und das will man ja auch erreichen. Aus Gründen der zu erreichenden Klimaziele und der Nachhaltigkeit probierten viele Retailer, auf gedruckte Folder und Postsendungen zu verzichten – kehren aber inzwischen wieder dahin zurück –, siehst du da Tendenzen? Ihr hattet doch eine Konsumentenumfrage gemacht? TB: Zuallererst sind die meisten der Kunden im Gartencenter immer noch Frauen über 55 Jahre. Da mögen nicht alle an ihrem Handy die Angebote vergleichen, sondern blättern doch immer mal wieder in einem Katalog oder Folder. Aber auch jüngere Konsumenten schätzen hier eine ausgewogene Mischung. Ich denke, dass dies mindestens noch 15–20 Jahre so bleibt. Online und Social ergänzen die Printmedien und ersetzen sie bis jetzt keinesfalls. Momentan wird in vielen Ländern darüber diskutiert, die sozialen Netzwerke für Jugendliche nicht mehr zugänglich zu machen. Australien war der Vorreiter, aber auch in Europa ist es ein Thema. Wie stehst du dazu? TB: Ich halte nichts von Verboten, wenn sie sich in das familiäre Umfeld einmischen. Das sollten die Eltern selbst im Griff haben. Wenn wir sehen, dass dies bei den Eltern nicht funktioniert, ist unser Problem natürlich noch viel größer. Das Thema Mobbing und diverse Trigger, welche zu einer Abhängigkeit führen können, sollen mittels verschiedener Auflagen, welche man den unterschiedlichen Plattformen vorgibt, geregelt werden. Ich denke, dass dies der bessere Ansatz wäre. Dafür kann ja KI perfekt eingesetzt werden – damit wir das in den Griff bekommen.
Autor:in
Oliver A. Mathys
begleitet „DEGA GRÜNER MARKT“ seid 2007 als Kolumnist. Der Gärtner und Floristmeister war im Export in den Niederlanden tätig und ist als Betriebsconsultant europaweit unterwegs. Er befragt an dieser Stelle Kollegen zur Situation und Zukunft der Branche.
0 Kommentare
Was denken Sie? Artikel kommentieren

Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Schreiben Sie den ersten Kommentar.

Artikel kommentieren
Was denken Sie? Artikel kommentieren